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Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer

Historische Entwicklung der Mehrwertsteuer in Deutschland

Wenn Staaten Geld brauchen, führen sie gerne die eine oder andere neue Steuer ein. Anlass dafür waren immer wieder Kriege, die mit enormem Finanzierungsbedarf einhergehen. Daraus hat sich auch die Mehrwertsteuer in Deutschland entwickelt.

Am Ende des Ersten Weltkriegs stand Deutschland vor kriegsbedingten Schulden von über 150 Milliarden Mark. Zur Unterstützung des zerrütteten Staatshaushaltes wurde deshalb 1918 die erste richtige Umsatzsteuer eingeführt. Sie startete mit einem Steuersatz von 0,5 % und stieg, wiederum in Kriegsfolge, bis 1951 auf 4 % an.

Die damalige deutsche Umsatzsteuer funktionierte noch etwas anders als die heutige Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer, nämlich als sog. Allphasen-Brutto-Umsatzsteuer. Dabei wurde zwar, wie bei der heutigen Form, schon jeder Weiterverkauf in einer Produktionskette besteuert, es gab aber noch keinen Vorsteuerabzug (→ Wie funktioniert die Mehrwertsteuer?). Dadurch sammelte sich beim Durchlaufen der Produktionskette immer mehr Steuer auf den Produkten an, wodurch auch Steuer auf Steuer berechnet wurde, und zwar umso mehr, je öfter ein Produkt in der Produktionskette weiter verkauft wurde. Man kann sich das vorstellen wie beim Zinseszins; Produkte mit längerer Produktionskette wurden dadurch überproportional besteuert.

Weiterentwicklung zur Mehrwertsteuer

Dieses Steuermodell wurde deshalb 1968 in Deutschland aufgegeben und durch eine Allphasen-Netto-Umsatzsteuer mit Vorsteuerabzug ersetzt: Die heutige Mehrwertsteuer. Dabei wurde auch gleich der Steuersatz auf 10 % erhöht. Erklärtes Ziel war es außerdem, die Umsatzsteuer in der gesamten damaligen EG (heute EU) einheitlich zu gestalten, um den innergemeinschaftlichen Handel zu vereinfachen.

Nach wie vor wird dabei jeder Weiterverkauf in einer Produktionskette besteuert. Unternehmen können aber die Steuer, die sie beim Wareneinkauf schon selbst gezahlt haben, von der beim Warenverkauf vereinnahmten Mehrwertsteuer abziehen, sodass nur der Differenzbetrag ans Finanzamt geht. Durch diesen Vorsteuerabzug sammelt sich in der Produktionskette nun effektiv keine Steuer mehr auf dem Produkt an, es kommt nicht mehr zur Berechnung von Steuer auf Steuer. Letztlich wird immer nur der Mehrwert, den die jeweilige Produktionsstufe ins Produkt einbringt, versteuert – daher der Name Mehrwertsteuer. Dieses weiter entwickelte Besteuerungsverfahren ist zwar aufwendiger als das vorherige, dafür aber auch gerechter.

Entwicklung der Mehrwertsteuersätze

Ist eine Steuer erstmal eingeführt, folgen natürlich auch Erhöhungen – im heutigen friedlichen Deutschland zum Beispiel, um steigende Sozialleistungen mitzufinanzieren. Seit 1968 wurde der reguläre Mehrwertsteuersatz dabei wie folgt angepasst:

Entwicklung der Mehrwertsteuersätze
JahrSteuersatz (regulär)
1968 (Januar)10 %
1968 (Juli)11 %
1978 (Januar)12 %
1979 (Juli)13 %
1983 (Juli)14 %
1993 (Januar)15 %
1998 (April)16 %
2007 (Januar)19 %

Zugleich wurde der reguläre Steuersatz in Deutschland um einen zusätzlichen ermäßigten Steuersatz ergänzt, der für ausgewählte Waren und Dienstleistungen gilt (§ 12 und Anlage 2 UStG). Bis 1983 wurde der ermäßigte Steuersatz immer zusammen mit dem regulären erhöht, wobei er jeweils genau die Hälfte des regulären Steuersatzes betrug. Seither wurde der ermäßigte Steuersatz nicht mehr weiter erhöht, sodass er heute immer noch bei 7 % steht. Bis 1998 ging die Mehrwertsteuer allein an Bund und Länder; seither erhalten auch die Gemeinden einen (allerdings kleinen) Anteil.

Der Staat kann die Mehrwertsteuereinnahmen somit nicht nur über die Entwicklung der Steuersätze selbst beeinflussen, sondern auch, indem er Waren oder Dienstleistungen neu auf die Liste des ermäßigten Steuersatzes setzt oder von ihr streicht. In den letzten Jahren betraf das z.B. Beherbergungsdienstleistungen (seit 2010 ermäßigt) und Pferde (seit 2012 nicht mehr ermäßigt).

Lesen Sie weiter: Mehrwertsteuer in anderen Ländern


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Konsum - Steuer